Kennen Sie den Ausdruck „den inneren Schweinehund überwinden“? Haben Sie auch schon die Erfahrung gemacht, dass dies im Alltag nicht immer so einfach ist? „Den inneren Schweinehund überwinden“ meint in dem Fall, mit Willensstärke, Fokus und Ausdauer sich so lange selbst unter Druck setzen und sich bewusst zusammen reissen, bis im Idealfall eine neue, bessere Gewohnheit entstanden ist und das gewünschte Verhalten leicht fällt und problemlos umgesetzt werden kann.
Aber seien wir mal ehrlich: Wie oft gelingt uns dieses „willentliche Zusammenreissen“ für einige Tage, ja vielleicht sogar für ein bis zwei Wochen, bis ein besonders stressiger Tag oder ein belastendes Ereignis eintritt und wir wieder in die alten (Verhaltens-) Muster zurückfallen. Natürlich ist es möglich, sich dann auch wieder zurück auf die „rechte Bahn“ zu begeben, aber auch das ist dann je nach dem wieder mit enormem Kraftaufwand verbunden.
Aus diesem Grund möchte ich Ihnen die sieben Kellerkinder von Johannes Galli vorstellen. Er hat die menschlichen Eigenheiten über mehrere Jahre aus unterschiedlichen Perspektiven studiert und daraus die sieben Kellerkinder entworfen. Sein spielerischer Zugang in der Betrachtung der menschlichen Anteile und Verhaltensweisen schafft zusätzlich Raum für Kunst und Kreativität.
An der Theorie gefällt mir besonders, dass die Individualität jedes Menschen gewahrt wird und es trotzdem möglich ist, bestimmte inneren Anteile wertschätzend wahrzunehmen und bewusst einzuordnen, ohne diese überwinden oder mit Druck verdrängen zu müssen.
Johannes Galli beschreibt dazu die sieben Kellerkinder und deren negative Anteile, welche wir Menschen ungern an uns selbst entdecken. Der Name „Kellerkinder“ kommt daher, dass diese inneren Anteile einem „unerzogenen Kind“ gleichen und diese von Erwachsenen bei unartigem Verhalten gerne in den Keller gesperrt werden.
Wie bei einem unartigen Kind geht es aber darum, nicht das Kind selbst negativ zu bewerten, sondern nur dessen Verhalten nicht zu tolerieren. Gleichzeitig geht es um das Erkennen, dass hinter jedem negativen Anteil auch eine grosse Ressource steckt, welche es zu aktiveren und für die Aussenwelt sichtbar zu machen gilt.
In diesem Sinne geht es darum, die eigenen inneren Anteile anzunehmen, wie sie sind und in gewissen Situationen wie ein verantwortungsvoller Elternteil in die Schranken zu weisen. Denn jeder Anteil hat per se in gewissen Situationen seine Berechtigung, weil der Ursprung in unseren ureigenen Bedürfnissen herrührt und nicht „verleugnet“ werden sollte.
Im Folgenden stelle ich Ihnen die sieben Kellerkinder nach Johannes Galli vor. Lassen Sie sich von den Begriffen nicht irritieren. Gemäss der Liste ist der erste Begriff gleichzusetzen mit dem negativen Anteil (Todsünde) und danach wird direkt der positive Anteil (Ressource) und dessen positiven Einfluss genannt, welche es zu verstärken gilt. Jeder Mensch hat unterschiedliche Anteile in unterschiedlicher Ausprägung in sich. Die folgende Zusammenstellung zeigt die Rolle als Kellerkind – Todsünde – kreative Energie – Eigenschaft.
Grosskotz – Hochmut – Weisheit – schafft Raum
Binnix – Neid – Lebensfreude – schafft Erlösung
Geizhals – Geiz – Ordnungsliebe – schafft Ordnung – Scheitel
Lästermaul – Gier – Menschenkenntnis – schafft Verständnis
Tranfunzel – Trägheit – Intuition – schafft Mitgefühl
Fetzer – Zorn – Tatkraft – schafft Energie
Flittchen – Wollust – Liebeslust – schafft Ausgleich
Johannes Galli betont in seiner Arbeit, dass eine spielerische Herangehensweise und die damit verbundene Freude wichtig sind. Die intuitive Wahrnehmung der sieben Kellerkinder funktioniert von Natur aus sehr gut.
Spannend ist, dass wir Menschen analog zu den „blinden Flecken“ gewisse Kellerkinder weniger sympathisch finden und uns z.B. Bei der Beschreibung nicht mehr an das eine oder andere erinnern können. Eben diese Kellerkinder können dann in Bezug auf die eigene Persönlichkeitsentwicklung vertieft betrachtet und für die Selbstreflexion gewinnbringend genutzt werden.
Einmal mehr ist die Einordnung gemäss der sieben Kellerkinder eine mögliche Betrachtungsweise, die eine persönliche Auseinandersetzung mit den eigenen inneren Anteilen erlaubt. Jeder und jede ist dabei aber selbst in der Verantwortung zu entscheiden, in wiefern diese der Realität entspricht und für das eigene Erleben, Denken, Handeln und Fühlen genutzt werden kann.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude beim spielerischen Entdecken der eigenen sieben Kellerkinder. Ich wünsche Ihnen den nötigen Mut, den ein oder anderen inneren Anteil ehrlich und liebevoll zu betrachten und bewusst in ihr Leben einzuladen, um diesen auf neue Art zu aktivieren und zu fördern, damit immer mehr die positiven, hilfreichen Aspekte dieser Anteile im Alltag zum Tragen kommen können.